Das MOC Vorhersagezentrum und seine Rolle im Feldexperiment Wie schon aus den vorangehenden Unterlagen ersichtlich, ist MAP in vieler Hinsicht ein einzigartiges Unternehmen. Noch kein meteorologisches Experiment ist derart intensiv vorbereitet worden, und einen maßgeblichen Anteil an diesen Vorbereitungen hat die internationale Arbeitsgruppe der Forecaster, die vor etwa 4 Jahren gegründet wurde. Während der Intensiv - Meßphase, die morgen beginnt und bis 15. November dauert, hat diese Arbeitsgruppe die Aufgabe, eine möglichst exakte Wettervorhersage zu erarbeiten, und zwar für die Meßflugzeuge, die Meßgruppen auf dem Feld, prinzipiell für alle Betreiber von meteorologischen Meßgeräten, die für MAP von Bedeutung sind. Der Vorhersagezeitraum erstreckt sich dabei von der 3- bis 6-tägigen Mittelfrist - Prognose bis zum sogenannten Nowcasting, also der Wettervorhersage für die nächste halbe Stunde. Der Erfolg von MAP hängt sehr vom Wetter während der Feldphase ab, es gibt Meßgruppen, die spätestens 48 Stunden vor dem erwarteten Wetterereignis möglichst exakt informiert werden müssen, damit alle Vorbereitungen für die Messungen getroffen werden können. Am anderen Ende der Zeitskala befindet sich die Beratung der Meßflugzeuge, die bereits in der Luft sind und möglichst effektiv eingesetzt werden sollen, die also in jene Regionen geleitet werden müssen, in denen der stärkste Föhn oder der stärkste Niederschlag auftritt. Um diese schwierigen Aufgaben möglichst gut erfüllen zu können, gab es frühzeitig die Idee, Meteorologen aus allen Gebieten der Alpen zusammenzuziehen, um möglichst viel regionales Erfahrungswissen zur Verfügung zuhaben. Und so stehen wir jetzt vor einer einzigartigen Situation: Meteorologen aus Canada, aus den Vereinigten Staaten, aus Frankreich und Italien, aus der Schweiz, aus Österreich und Deutschland, und aus Slowenien und Kroatien werden in den nächsten 10 Wochen hier in Innsbruck Vorhersagen für MAP erstellen. Denn noch immer ist es so, daß die Erfahrung und die Entscheidungen des Meteorologen durch Computer nicht ersetzt werden können. Um es anschaulich zu formulieren: Als österreichischer Meteorologe würde ich mich sehr unwohl fühlen, müßte ich eine detaillierte Wettervorhersage für die Region der oberitalienischen Seen erstellen; umgekehrt wird mein italienischer Kollege froh sein, wenn ich ihm bei der Vorhersage von Südföhn im Wipptal zur Seite stehe. Damit diese Gruppe gute Arbeitsbedingungen vorfindet, wurde mit Hilfe der österreichischen Wetterdienste der Austro Control und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ein eigenes Vorhersagebüro geschaffen. In diesem Büro stehen alle Meßdaten und Vorhersageunterlagen der österreichischen Wetterdienste zur Verfügung, und darüber hinaus eine Reihe von zusätzlichen, eigens für MAP zusammengefaßte Daten und für MAP-Zwecke angepaßte Vorhersagemodelle. Man kann ohne Übertreibung sagen: In Innsbruck befindet sich zur Zeit das modernste und bestausgestattete Vorhersagebüro der Welt. In den vergangenen Jahren wurde ein Set von gemeinsamen Vorhersage - unterlagen erarbeitet und eine gemeinsame Sammlung von Vorhersageregeln erstellt. Denn wie man sich leicht vorstellen kann, arbeiten die Meteorologen verschiedener Regionen nicht nur in verschiedenen Sprachen, sondern auch mit unterschiedlichen Vorhersagemodellen und Vorhersagemethoden. Seit 2 Jahren proben wir den Ernstfall, das heißt, wir haben anhand von Probevorhersagen eine gemeinsame Vorgehensweise für die Wettervorhersage in MAP entwickelt. In den nächsten 10 Wochen wird viel von dieser Gruppe abhängen, denn gute Vorhersagen werden die Effektivität des Experimentes wesentlich steigern. Aber es wird auch Fehlprognosen geben, die zeigen, wie wichtig MAP für uns alle ist.