Wissenschaftliche Beiträge Österreichs zu MAP Im Alpenland Österreich besteht seit je her ein vitales Interesse am Fortschritt der Gebirgsmeteorologie. So haben sich praktisch alle relevanten heimischen Institutionen bereit erklärt, einen Beitrag zum wissenschaftlichen Programm von MAP zu leisten. Vom österreichischen Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung (FWF) und von der EU (4. Rahmenprogramm) finanziert, wurden bereits in den vergangenen Jahren mehrere wissenschaftliche Projekte im Rahmen von MAP durchgeführt, die sich mit der Analyse, Diagnose und Modellierung der alpinen Atmosphäre beschäftigten. Für MAP-SOP wurden vom FWF weitere vier Forschungsprojekte genehmigt, die eine aktive Beteiligung Österreichs an den Feldemessungen ermöglichen. Von den vier Kerngebieten (Target Areas) der Untersuchungen (Brenner, Rheintal, Lago Maggiore, Friaul-Julische Alpen) liegen die ersten zwei zum Teil auf österreichischem Gebiet. Somit konzentrieren sich die Messungen österreichischer Wissenschaftler auch auf diese Bereiche. Brenner-Senke: Der Brenner-Föhn gehört zu den wohl bekanntesten Föhnstrichen der Alpen und war bereits Gegenstand zahlreicher Untersuchungen was zu einer gewichtigen Rolle Österreichs auf dem Gebiet der Föhnforschung und internationaler Anerkennung führte. Das bodennahe Erscheinungsbild dieses Phänomens, welches das Wettergeschehen in Tirol beiderseits des Brenners in hohem Maße prägt, ist zwar einigermaßen bekannt, nicht jedoch ihre vertikale und zeitliche Struktur. So wird nun zum ersten mal versucht, mittels modernster Technologie diese Lücke in unserem Wissen zu schließen. Da der Brenner als tiefster Einschnitt in den Alpenhauptkamm ein niedriges Überströmen von Luft über die Alpen ermöglicht (Gap-flow), verhält sich die Atmosphäre in diesem Bereich unterschiedlich zur allgemeinen Föhnströmung. Die Untersuchungen, die von den meteorologischen Instituten der Universität Innsbruck und der Universität für Bodenkultur, Wien, gemeinsam mit ausländischen Partnern durchgeführt werden, sollen Einblick in die Dynamik und Wechselwirkung zwischen der Boden- und Höhenströmung liefern. Dazu werden neben Profilen von Bodenstationen längs des Wipptals Radiosondierungen, LIDAR- (=Licht-RADAR) und SODAR (Schall-RADAR)-Messungen durchgeführt und mit Forschungsflugzeugen der Zustand der Atmosphäre in verschiedenen Niveaus gemessen. Rheintal: Im Gegensatz zum Wipptal ist das Rheintal von wesentlich komplexerer Topographie; mit mehreren Knicken im Haupttal, zahlreichen Seitentälern und quer zur Strömung ausgerichteten Bergkämmen. Zudem mündet im Gegensatz zum Wipptal das Rheintal unmittelbar ins Alpenvorland, wo häufig eine zähe Kaltlufthaut das Durchgreifen der warmen Föhnluft bis zum Boden verhindert. Dies hat besondere umweltmeteorologische Konsequenzen, da die dünne Kaltluftschicht zur Anreicherung von Luftschadstoffen führt, was bisher prognostisch nur schwer zu erfassen war. Wenn der Föhn einmal bis zum Talgrund durchgreift, ist seine Intensität gelegentlich so groß, daß Schäden an Gebäuden oder Wäldern auftreten. Für das Durchgreifen des Föhns ist das Verständnis der Rolle der Seitentäler (Kanalisierung) von großer Bedeutung. Diesem Aspekt wird deshalb besonderes Augenmerk verliehen. Dazu wird der Bereich Brandner Tal, von der Schweizer Grenze bis nach Bludenz und der Walgau durch das Institut für Meteorologie der Universität Wien untersucht. Das Verhalten der bodennahen Kaltluft wird im Vorarlberger/Schweizer Rheintal bis zum Bodensee von der Umweltabteilung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Wien, gemeinsam mit ausländischen Partnern untersucht. Ähnlich wie im Brennerquerschnitt werden auch hier neben Bodenmeßnetzen bodengestützte Fernerkundungsmethoden eingesetzt und fallweise durch Flugzeugmessungen ergänzt. Ziel der Untersuchungen im Brenner- und Rheintalbereich ist eine Verbesserung der Föhnprognose mittels hochauflösender numerischer Modelle, insbesondere die Erfassung von Turbulenzen, die für die Luftfahrt von großer Bedeutung sind. Die Forschung zu Extremniederschlägen im Südalpenbereich sollte sich hinkünftig auch in Österreich positiv auf die Prognose solcher Ereignisse auswirken, da die Meßdaten und das know how vereinbarungsgemäß zwischen den Teilnehmern an MAP frei ausgetauscht werden. Ein weiteres Forschungsprojekt am meteorologischen Institut der Universität Wien beschäftigt sich mit der Erstellung eines alpinen Komposits der verschiedenen nationalen Blitzortungssysteme. Damit wird es erstmals möglich, Gewitterzellen im gesamten Alpenraum mit vergleichbarer Qualität zu verfolgen und damit die kurzfristigen Prognosen von Unwettern zu verbessern. Auch eine einheitliche Klimatologie der alpinen Gewittertätigkeit kann damit erstellt werden. Der finanzielle Beitrag Österreichs zu den rein wissenschaftlichen Aktivitäten von MAP beläuft sich auf rund 15 Mio ATS (1,1 Mio Euro).